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01 Rathaus

Das heutige Saalfelder Rathaus wurde von 1529 bis 1537 erbaut. Als Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins erfolgte unter der Regie des Saalfelder Stadtrates die Errichtung eines der schönsten Rathäuser Thüringens. Hier wurden die einheimische Bautradition der Spätgotik mit modernen Architekturelementen der Renaissance zu einem harmonischen Ganzen verbunden. Der Baumeister dieses Gebäudes ist allerdings unbekannt geblieben.

Innerhalb des gesamten Marktensembles spielt das Rathaus auch heute noch eine dominierende Rolle. Die Schauseite am Markt ist überaus reich und harmonisch gegliedert. Die horizontale Lagerung der symmetrisch angeordneten Wandflächen mit den paarweise verbundenen Fenstern wird durch einen vorspringenden Treppenturm mit Verkündigungsbalkon und nadelspitzer Helmbedachung geteilt. Die Fassade ist gestalterisch aufgelockert durch zwei unterschiedlich geformte Erker. Vor allem der Erker im rechten Teil der Rathausfassade zum Markt hin setzt einen wichtigen Akzent im Gesamtbild. Aus einer breiten Wandkonsole heraus wächst ein vorgesetzter zweigeschossiger Baukörper. Die Brüstungsfelder sind geschmückt durch zwei farbig gefasste Wappensteine. Am Hauptportal befindet sich links die 56,6 cm lange Saalfelder Elle, die früher in Saalfeld geltende Maßeinheit für den Tuchhandel.

Im Inneren ist das Erdgeschoss mit gekehlten Kreuzrippengewölben überdeckt, deren Konsolen teilweise figürliche Darstellungen tragen. Im Ratskeller ruht das reich profilierte Gewölbe auf einem runden Mittelpfeiler. An den Scheitelstellen der Gewölbe befinden sich Wappenschlusssteine, darunter das Stadtwappen mit der Jahreszahl 1530. Trotz erheblicher Umbauten Ende des 19. Jahrhunderts, dem Einziehen von Zwischenwänden, lässt sich die ursprüngliche Raumaufteilung der oberen Geschosse gut rekonstruieren. Das erste Obergeschoss beherbergte ursprünglich links den Ratssaal mit original erhaltenen schweren Holzbalkendecken. Im zweiten Obergeschoss lagen einst die Tuchhallen in Form zweier rechtwinklig gegeneinander stoßender Säle, die ebenfalls mit Balkendecken versehen sind.

In Vorbereitung der 1100-Jahrfeier der Stadt Saalfeld im Jahre 1999 erfolgte seit 1998 eine Generalsanierung des Rathauses mit Instandsetzung und Rekonstruktion einzelner Bauteile und Innenräume, die durch die zahlreichen bau- und kunstgeschichtlich bedeutenden Gestaltungselemente mit einem hohen Schwierigkeitsgrad verbunden waren. Umfangreiche Voruntersuchungen zur Statik, zur Beschaffenheit der Holz- und Sandsteinsubstanz, zu Außenputz und ursprünglicher Farbfassung waren dazu notwendig. Auf die seitlichen Absätze der geschweiften Giebel wurden die ursprünglich dort befindlichen steinernen Zierkugeln als notwendige stilistische Akzente wieder aufgesetzt. Für die heutige Farbgebung der Fassaden wählte man den Befund aus der Zeit um 1850. Da zur Dachbedeckung beim Bau des Rathauses im 16. Jahrhundert nachweislich Schiefer aus den damals bereits betriebenen Brüchen bei Lehesten verwendet wurde, entschied man sich bei der Neueindeckung wiederum für Material gleicher Herkunft und für die sogenannte altdeutsche Deckung mit Thüringer Hieb.

Heute befinden sich im Rathaus Teile der Stadtverwaltung und das Restaurant "Ratskeller".
Das Trauzimmer im historischen Saalfelder Rathaus wurde im Rahmen der umfangreichen Sanierungsarbeiten am Haus ebenfalls neu gestaltet. Hinter historischen Mauern erwartet das Brautpaar und seine Gäste ein moderner, in seiner Schlichtheit  anspruchsvoller Trausaal.

Das städtische Archiv gehört als historisches Archiv zu den umfangreichsten seiner Art in Thüringen. Bereits im Mittelalter wurde der Grundstock dafür gelegt, Ratsurkunden zur Stadtverfassung, über Rechts-, Besitz-, Erb- und Finanzangelegenheiten als juristische Dokumente zu sammeln und aufzubewahren. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Archiv für Regionalhistoriker eine reiche Quelle zur Geschichte der Stadt Saalfeld. Das historische Archiv gliedert sich in drei Hauptabteilungen: Urkunden, Akten und Bücher. Chronologisch geordnet, enthält die erste Abteilung insgesamt 727 Urkunden aus der Zeit von 1313 bis 1889, darunter Innungsbriefe und städtische Privilegien.